SIOUX: Status Quo und Entwicklung des Schuh-Einzelhandels in 2020

Corona hat einzelne Branchen besonders hart getroffen: Zu nennen waren da die ohnehin schon angeschlagenen Automobilzulieferbetriebe, Künstler, Gastronomen, …

Andere Branchen haben profitiert:
TMT Unternehmen (Technik, Medien, Telekommunikation) wie Zoom, go to webinar u.a., aber auch Logistikdienstleister wie Amazon, Lieferheld, etc.

Sioux ist kein Einzelfall

Corona hat den Einzelhandel mit saisonalen non-food Produkten, wie z.B. modische Waren besonders hart getroffen. Die Sioux GmbH, die das Geschäft der Sioux Gruppe mit den Fachhändlern betreibt, rutscht in die Eigenverwaltung.

Wir waren auf dem Weg, in der Firmengruppe das beste erste Quartal seit fast einem Jahrzehnt", erklärt Sioux-Geschäftsführer Lewin Berner die Krise. Nach zwei starken Monaten Januar und Februar sei das Geschäft ab März mit den Händlern (B2B-Geschäft) aufgrund des Lockdowns fast vollständig zum Erliegen gekommen und habe sich auch bis Mitte Juni nicht erholt.

Die Wiedereröffnung der Ladengeschäfte habe bei den Handelspartnern nicht die erhofften Nachholeffekte gebracht. Ein Großteil der Händler spreche von aufgelaufenen Umsatzrückgängen von 30 bis 40 Prozent, ergänzt Berner.

Der Maskenzwang würde bei vielen Konsumenten überdies dazu führen, dass sie zurzeit überhaupt nicht mehr stationär einkaufen wollen. Viele Sioux-Händler hätten inzwischen selbst Insolvenz angemeldet, darunter Galeria Karstadt Kaufhof und Schuhfilialist Dielmann, oder es drohe ihnen die Zahlungsunfähigkeit.

Lewin Berner befürchtet, dass sich diese negative Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2020 noch beschleunigen wird. Quelle: Schuhmarkt-News.de[1] 

Im Finance Magazine wird das Unternehmen zitiert, dass etwas überbetont darauf hinweist, dass nur die Sioux GmbH betroffen sei – die übrigen 5 Unternehmen der Sioux Gruppe seien nicht betroffen – Hintergrund der Insolvenz sei die Corona-Krise.

Dem Unternehmen zufolge brach das B2B-Geschäft nach zwei starken Monaten im Januar und Februar aufgrund des Lockdowns fast vollständig ein. Auch die Wiedereröffnung der Ladengeschäfte hätte bei den Handelspartnern nicht die erhofften Nachholeffekte gebracht. „Wir erleben im Moment ein Massensterben unter unseren Handelspartnern, und wir gehen von perspektivisch 30 Prozent weniger Umsatz mit Händlern aus“, sagte Geschäftsführer Berner.[2] 

Leider ist das nur die halbe Wahrheit, ein Blick in die Zahlen der anderen Sioux Unternehmen (Sioux Holding GmbH, Sioux Retail GmbH, Sioux Sourcing GmbH) zeigt, dass es diesen Unternehmen bereits in 2018 nicht gut ging. Das dürfte Thorsten Wagner, der über die „Global Derivative Trading GmbH zu 49,99% an der Holding und damit an diesen Gesellschaften beteiligt ist, nicht besonders gefallen, auch wenn sich die Sioux online GmbH im Aufwind befindet.

Der Aufwind für den Online Handel ist genau das Problem des stationären Fachhandels!
Das hat selbstverständlich auch Lewin Berner erkannt:

Es fällt den vielen kleinen Fachhändlern schwer, das Ruder herumzureißen und gegen die übermächtigen Onlineriesen anzutreten. So hat sich Zalando insbesondere seit März 2020 mit dem Lockdown der Einzelhandelsgeschäfte herausragend entwickelt.

Im Gegensatz zum allgemeinen Trend im Handel im non food Bereich, der im Mai mit einem realen Plus von 28,7% abschloss, war der Bereich „Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren“ mit real minus 22,6% betroffen. Das aufgelaufene Minus von Januar bis Mai beläuft sich im Vergleich zum Vorjahr auf real minus 32,6%. Dies ist aber nur dem „Internet- und Versandhandel“ zu verdanken, der 17,4 beziehungsweise 17,5 Prozent hinzugewinnt[3]. 

Welche Chancen hat der Stationäre Einzelhandel noch?

Maßnahme 1: Zahlungsfähigkeit überprüfen und wiederherstellen

Die Unternehmen müssen einen Liquiditätsstatus aufstellen, aus dem Einzahlungen und Auszahlungen, aber auch offene Finanzierungsmöglichkeiten in den nächsten 3 Wochen tagesaktuell erkennbar sind. Können mehr als 10% der fälligen Forderungen nicht termingerecht beglichen werden und lässt sich ein Aufschub nicht erreichen, muss ein Zahlungsplan für die nächsten Monate her. Zeigt sich, dass die Zahlungsfähigkeit wieder hergestellt werden kann, ist erst mal wieder alles in Ordnung.

Maßnahme 2: Herstellen einer auskömmlichen Rentabilität

Die Rentabilität ist ein Quotient aus Ergebnis und eingesetztem Kapital! Die Aufbaumaßnahmen sollten daher von beiden Seiten angegangen werden.

Die Kapitalbindung muss schnellstmöglich reduziert werden, zumal die Überläger aus der aktuellen Frühjahr-Sommer Saison im Herbst zu „Non-Movern“ werden, die nur mit hohen Preisabschlägen verkauft werden. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes des deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) bewerten 74% der Schuhhändler das Warenproblem als erheblich. Im Durchschnitt liegt das Überlager mit 29% über Vorjahresniveau.

Valutierungsverlängerungen helfen bei Modeartikeln nicht wirklich weiter. Auf der einen Seite muss ein frühzeitiger Lagerabverkauf mit reduzierter Ware erfolgen auf der anderen Seite müssen sich die Schuh-Lieferanten an den Rabattierungen beteiligen.

Letztendlich bringt aber nicht die Preisschlacht den Sieg, bzw. das Überleben des Einzelhandels – im Gegenteil! Das Geschäftsmodell muss angepasst werden: Ohne Einbeziehung des Online Geschäfts hat der stationäre Handel auch bei noch so guter Beratung keine Chance.

Beispielsweise wird aus einem Schuhladen mit orthopädischem Schwerpunkt kein Designer-Outlet werden, aber auch hier können Zielkundengruppen mit sozialen Medien oder Sonderaktionen besonders adressiert werden. So könnte ein „Give away“ oder ein Rabatt dazu führen, die Kontaktdaten der Kundschaft für Sonderaktionen nutzen zu dürfen.

Maßnahme 3: Stärkung der Eigenkapitalbasis

Mittlerweile gibt es interessante KfW-Mezzanineprogramme, die zur Stärkung der Eigenkapitalbasis nach Corona geschaffen wurden. Um im Beispiel des „orthopädischen Schuhladens“ zu bleiben, könnten vermutlich Orthopäden aus der näheren Umgebung für eine stille Beteiligung gewonnen werden.

Maßnahme 4: Mehrwert bringt das Renditeplus

Um auch hier wieder im Beispiel eines „orthopädischen Schuhladens“ zu bleiben, kann möglicherweise ein Schuster in einer angegliederten Werkstatt durch Kooperation oder Einstellung einen ganz besonderen lokalen Mehrwert schaffen. Bei einem eher designorientierten Schuhladen könnten in der Post-Corona Phase kleinere Events veranstaltet werden.

Es gibt sicher noch viele Einzelmaßnahmen zur Stärkung von Händlern, die lokal agieren und zusätzlich online verkaufen – ohne Onlinehandel wird der (Schuh-) Einzelhandel aus den Städten verschwinden, so ist meine sicher nicht von allen Seiten begrüßte Prognose.

Wann sollten Schuheinzelhändler aktiv werden?

Klare Antwort: SOFORT! Mit der hereinkommenden Herbstmode wird sich das Lagerbestandsproblem aller Rabatte zum Trotz weiter steigern.

Martin Keller, FOBEKA GmbH, (FOrderungen und BEstände zu KApital machen)

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