Multiplikator-Bewertung im verarbeitenden Gewerbe

Gilt der Standardfaktor?

7 mal EBIT oder 1 mal Umsatz = Unternehmenswert?

Zunächst einmal stimmt der Unternehmenswert so gut wie nie mit dem tatsächlichen Kaufpreis überein, daher ist gute Argumentation auf Basis von Rechenmodellen bares Geld wert!
Im Corporate Finance Magazin oder unter finance-magazin.de werden monatliche Multiplikatorwerte verschiedener Branchen veröffentlicht.

Was bedeuten diese EBIT- oder Umsatzmultiples, wie sind sie zu interpretieren?

Annahmen einer Multiplikatoranwendung:

Die Earnings before interest and tax (also Jahresüberschuss + Steueraufwand + Zinsergebnis) multipliziert mit einem Faktor, z.B. 7 soll der Unternehmenswert sein. Hierbei werden implizit einige Grundannahmen getroffen:

1. Das Geschäftsführergehalt wurde bei der Ergebnisermittlung abgezogen, wie dies bei einer Kapitalgesellschaft, nicht aber bei einer Personengesellschaft in der Bilanzierung vorgegeben ist.
2. Alle sonstigen Gegebenheiten des Unternehmens entsprechen dem Branchendurchschnitt.
3. Außergewöhnliche, nicht wiederkehrende Ergebniskomponenten wurden bereinigt.
4. Das Unternehmen wird „debt and cash free“, also frei von Verbindlichkeiten und ohne Liquide Mittel verkauft.

Ein EBIT-Multiple von 7 bedeutet also in Verbindung mit einem EBIT von 100, dass das Unternehmen abzüglich aller Verbindlichkeiten und liquiden Mittel einen Eigentümerwert (Equity-Value) von 700 hat.
Analog bedeutet ein Umsatzmultiple von 1, dass das Unternehmen unter sonst gleichen Annahmen wie zuvor einen Eigentümerwert von einem Jahresumsatzwert ist.

Fehler der Pauschalisierung:

Wie falsch solche pauschalen Annahmen sind, wird sofort klar, wenn man von einem konstanten EBIT-/Umsatz-Multiple ausgeht – dann müssten nämlich alle Unternehmen die gleiche Gewinnmarge haben. Sondereinflüsse vom Umsatz zum Ergebnis gäbe es nicht.  Gerade die Unterschiede in der Unternehmensorganisation, Unternehmensgröße und in der Kosten-/Ergebnisstruktur oder das “deal-design” machen den unterschiedlichen Kaufpreis aus.
Obwohl also der Discounted Cash Flow in Form einer ewigen Rente (CF/i) nichts anderes ist, als der reziproke Wert eines Cash Flow Multiples lassen sich Berechnungen mit der DCF-Methode sehr viel differenzierter anstellen.

Geht man von der 3-Phasenmethode des Wirtschaftsprüfungsinstituts aus sind zeitliche Skalierungen von Cash Flow und auch Zinssatz möglich.

Welche Faktoren in die Cash Flow-Berechnung eingehen, wie ein adäquater Zinssatz zu ermitteln ist oder welche anderen Methoden als Preisargumentation in Frage kommen, erläutere ich gerne in einem unverbindlichen Gespräch.

Um es kurz zu machen:
Die oben genannten Multiplikatoren werden in der Praxis fast immer für eine erste Preisorientierung genannt, sind aber in den wenigsten Fällen wirklich passend – auch nicht in der Kunststoffbranche oder Metallverarbeitung.